Sangbian Hu
Tonart: Yixing Orginal 天青泥 Tianqing Ni
im Elektro Ofen gebrannt: 100 ml
Künstlerin: Yin Min
陌上柔桑破嫩芽,東鄰蠶種已生些。平岡細草鳴黃犢,斜日寒林點暮鴉。
山遠近,路橫斜,青旗沽酒有人家。城中桃李愁風雨,春在溪頭薺菜花。
辛棄疾 (1181)
Der Maulbeerbaum am Strassenrand bekommt bereits junge Blätter. Manche Seidenraupen sind bereits geschlüpft. Die Abendsonne strahlt auf den Wald und zwischen den Bäumen pausiert ein Rabe.
Manche Berge liegen näher, mache ferner. Manche Wege sind gerade, während manche schräg verlaufen. Wir können von der Weinstube eine Flasche Wein holen. Für die Pfirsichblüte und die Aprikoseblüte ist das Gewitter in der wechselhaften Jahreszeit eine Qual, doch der entzückende Frühling entfaltet sich gerade in den wilden Kräutern am Bachufer.
Gedicht von Xin, Qiji (1181)
Das obige Gedicht von Xin Qiji beschreibt das bäuerliche Leben im Frühling, ein Ideal des chinesischen Intellektuellen. Das, was hier beschrieben wird, will die Yixing Kannemeisterin mit Sangbian Hu darstellen.
Sangbian Hu ist eine traditionelle Kannen-Form. Sie entstand am Ende der Ming-Dynastie und ist seither bekannt. Eine traditionelle Form kann die Zeit überdauern, weil sie auf der praktischen Ebene funktioniert und auf der ästhetischen Ebene stets erneuert, bewährt und weiterentwickelt werden kann.
Am 21.12.2018 wurde die Sangbian Hu von Meister Gu, Jingzhou (Grossmeister von Wu, Dongyuan – Meister von Künstler Sun, Chao) in Jiangsu HeXin bei der Herbstauktion 江蘇和信秋季拍賣 für 6’200’000 Rmb (809’602 €) verkauft.
Was bedeutet Sangbian?
Sang ist der Maulbeerbaum, eine Pflanze für eine sehr wichtige Aktivität im bäuerlichen Leben Chinas, die Seidenraupenzucht!
Die Form von Bianhu – die flache Kanne – hat ihren Ursprung im Nomadenvolk Nordchinas. Ursprünglich war das Gefäss aus Leder, um Wasser oder Alkohol zu fassen. Mansheng, ein Intellektueller aus der Qing Dynastie, hat 18 verschiedene Formen von Teekannen entworfen. Bei der Bian-Hu-Form liess er gerne das Gedicht auf der Kanne eingravieren: „Halte das fliessende Wasser auf, um das Herz zu erfrischen“. Die andere bekannte Bian-Hu-Form ist Xubian-Hu. Für Sang-Bian findet sich leider keine genaue Erklärung. Möglicherweise bedeutet der Begriff eine Bian-Hu, eine flache Kannen-Form, als Symbol für das ideale Bauernleben.
„Mit einer Schale Tee holt man die Luft aus der Natur, in einer Sangbian Hu entdeckt man die Landschaft!“
Dieses Gedicht beschreibt die Beziehung des Teeliebhabers zu Sangbian Hu als Ausdruck der Liebe zum bäuerlichen Leben, das sich nach dem natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten richtet und ein Gefühl der chinesischen Intellektuellen darstellt, die den Zugang zur Harmonie zwischen Mensch und Universum suchen.
Sangbian Hu als traditionelle Kannenform der Ming-Dynastie ist bekannt für ihre eher maskulinen Linien, die eine Harmonie von Kraft und Spannung ausdrücken. Yin Min gestaltet ihre Sangbian Hu allerdings mit einer Prise Humor und femininer Geschmeidigkeit, so dass ihre Kanne trotz der kraftvollen Linien ein Hauch von Anmut und Dynamik ausstrahlt. Durch den geraden Schnabel und den breiteren Körper im vorderen Teil wirkt sie spontan, vorwärtsorientiert und gradlinig. Eine Nicht-Mitläuferin und zugleich ein Optimistin.
Somit hat die Sangbian Hu von Yin Min ein neues Gesicht einer sehr traditionellen Form erhalten. Ihre Gestaltung verleiht der alten Form neues Leben und Modernität.
Yixing-Kannenmeister suchen stets einen Weg zwischen der Tradition und der Modernität. Das ist wohl auch der Grund, weshalb die Yixing-Kunst bis heute alle Teeliebhaber begeistert! Yin Min gehört zur traditionellen Yixing-Kannenmeister-Schule «Wu Dongyuan», in der die Tradition als Chance und Vorbild verstanden wird, um die Yixing-Kunst im modernen Leben zu verwurzeln. Die Schüler müssen die Formen beherrschen und sie mit dem Herzen interpretieren.